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Zwischen Handwerk und Zukunft. Drei Fragen an Selim Sevinç über KI, Kreativität und die nächste Generation der Werbefilmproduktion.

  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Kreativbranche erlebt aktuell die wohl größte technologische Transformation seit der Digitalisierung selbst. Künstliche Intelligenz verändert Prozesse und kreative Workflows in einem Tempo, das vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar war. Für uns als Kreativkader steht dabei eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie bereiten wir unsere kreativen Talente auf eine Zukunft vor, die längst begonnen hat?


Deshalb gehört KI inzwischen ganz selbstverständlich zu unserem Lehrplan. Nicht als Ersatz für Kreativität, sondern als Werkzeug für neue, kreative Möglichkeiten. In Kooperation mit ZEITSPRUNG COMMERCIAL GmbH haben wir mit dem Workshop »From Prompt to Moving Picture« bereits früh einen Raum geschaffen, in dem Kreative die Chancen und Auswirkungen dieser Technologien, aber auch ihre Grenzen, praxisnah kennenlernen können.


Der kreative Kopf hinter diesem Workshop ist @Selim Sevinç. Als Executive Producer bewegt er sich seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Kreation und technologischer Innovation. Direkt nach dem diesjährigen Cannes Lions International Festival of Creativity, dem weltweit wichtigsten Treffpunkt der internationalen Werbe- und Kreativbranche, wo nun auch die Frage nach der Zukunft der Kreativbranche in Zeiten von AI im Mittelpunkt unzähliger Gespräche stand, fanden wir Zeit und Raum für ein Interview mit ihm. 



Lieber Selim, Du beschäftigst Dich intensiv mit KI-gestützter Produktion und neuen kreativen Workflows. Wie hast Du Deinen beruflichen Weg in dieses Themenfeld gefunden und was fasziniert Dich persönlich daran besonders?


Mein Weg in die KI-gestützte Produktion war kein Bruch, sondern eine konsequente Fortsetzung. Ich komme aus dem klassischen Werbefilm – über zwanzig Jahre Handwerk, von Porsche über Obi bis hin zu internationalen Markenkampagnen. Genau dieses Fundament hat mir geholfen, KI nicht als Spielerei, sondern als echtes Produktionswerkzeug zu begreifen.

Was mich persönlich fasziniert, ist der Moment, in dem aus einem Prompt eine Bewegung, eine Stimmung, ein Gefühl entsteht. Bei unserem Kaufland-Spot etwa haben wir z.B. Live-Action mit KI-generierten Elementen verbunden – und plötzlich verschiebt sich die Grenze des Machbaren. Ideen, die früher an der Machbarkeit gescheitert wären, werden realisierbar. Diese neue kreative Freiheit treibt mich an.


Die Kreativ- und Werbeindustrie befindet sich aktuell in einer tiefgreifenden technologischen Transformation. Welche Chancen, aber auch welche Herausforderungen siehst Du für Agenturen und Kreative bei der Integration von KI in bestehende Prozesse?


Die Chancen sind enorm: Geschwindigkeit, Skalierbarkeit, neue Bildsprachen und die Möglichkeit, Konzepte in Pitches sichtbar zu machen, statt sie nur zu beschreiben. Kleine, schlagkräftige Teams können heute Dinge umsetzen, für die es früher große Apparate brauchte.


Gleichzeitig dürfen wir die Herausforderungen nicht kleinreden: Offene rechtliche Fragen rund um Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte, die Gefahr visueller Beliebigkeit, wenn alle dieselben Tools nutzen, und nicht zuletzt die menschliche Seite – Verunsicherung und berechtigte Sorgen in den Gewerken. Meine Überzeugung: KI ersetzt weder das Handwerk noch die Haltung. Ein gutes Briefing, ein klares Konzept und ein geschultes Auge bleiben unersetzlich. Die Aufgabe für uns als Branche ist, KI als Verstärker von Kreativität zu nutzen – nicht als Ersatz für sie.


KI gehört inzwischen fest zum Lehrplan des Kreativkaders. Welche Fähigkeiten sollten junge Kreative heute entwickeln, um in Zukunft erfolgreich zu sein und welche drei Tipps würdest Du unserem kreativen Nachwuchs mit auf den Weg geben?


Junge Kreative sollten zwei Dinge parallel entwickeln: Ein tiefes Verständnis für die Grundlagen – Dramaturgie, Bildgestaltung, Storytelling – und die Offenheit, ständig Neues auszuprobieren. Die Werkzeuge wechseln alle paar Monate, das Fundament bleibt.


Das Gespräch mit Selim zeigt eindrucksvoll: Die Zukunft der Kreativbranche wird nicht von KI oder Menschen allein gestaltet, sondern von Menschen, die verstehen, wie sie KI verantwortungsvoll einsetzen können. Genau deshalb investieren wir als Kreativkader schon heute in die Kompetenzen von morgen. Denn kreative Exzellenz entsteht nicht nur durch Talent, sondern auch durch Neugier und die Bereitschaft, KI-Werkzeuge zu verstehen und für die eigene Idee nutzbar zu machen.


Für unseren kreativen Nachwuchs hat Selim drei Tipps, die den Weg in eine erfolgreiche Karriere in der Kreativbranche eröffnen:

1. Lerne das Handwerk zuerst. Verstehe, warum eine Geschichte funktioniert und warum ein Bild wirkt. Den Geschmack musst Du selbst mitbringen.

2. Bleib neugierig und experimentiere. Die beeindruckendsten Ergebnisse erzielt man, wenn man das volle Potenzial von Tools ausschöpft.

3. Behalte Deine eigene Handschrift. In einer Welt, in der jeder dieselben Mittel hat, ist Deine Perspektive das Einzige, was wirklich nicht kopierbar ist.


Danke, lieber Selim, für Deine spannenden Einblicke in die praktische Arbeit mit KI! Die Kader-Family wird diesen Weg weiterhin aktiv begleiten. Unser Ziel bleibt dabei unverändert: Kreative Talente dabei zu unterstützen, ihre eigene Stimme zu finden — unabhängig davon, welche Technologien morgen noch entstehen werden. Denn die Werkzeuge mögen sich verändern. Neugier, Mut und kreative Exzellenz bleiben zeitlos. Und dafür stehen wir, die Kader-Family.

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